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1. Das kollektive Rätsel des weiblichen Selbstwerts
Fabienne sitzt in einem Meeting und hört zu. Sie hat eine Idee mitgebracht, die dem Projektteam viel Zeit sparen könnte. Und trotzdem spricht sie diese nicht aus.
Stattdessen fragt sie sich innerlich:
- «Ist das wirklich relevant?»
- «Ist das tatsächlich eine gute Idee?»
- «Hab ich das alles richtig überlegt?»
Und während sie noch an der perfekten Formulierung zur Präsentation ihrer Idee arbeitet, ergreift ihr Kollege das Wort und trägt genau diese Idee vor.
Alle sind begeistert, er bekommt Lob und Anerkennung, eine rege Diskussion beginnt.
In Fabienne zieht sich etwas zusammen. Ja, sie muss sogar mit den Tränen kämpfen, der Kloss im Hals wird immer dicker. Sie fühlt sich wie eine Versagerin.
Wieder nicht den Mund aufgekriegt.
Wieder eine Idee zerdacht, anstatt sie einfach auszuspucken.
Wieder aus Angst vor Kritik sich unsichtbar gemacht.
Selbst kompetente Frauen zweifeln an sich selbst
Solche Situationen sind alltäglich. Sie passieren Frauen, die kompetent sind, erfahren, reflektiert. Frauen, die Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen, führen.
Und dennoch gibt es immer wieder diese Momente, in denen sie sich innerlich zurücknehmen, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Grund gäbe.
Ähnlich zeigt es sich in Gesprächen. Ein Unbehagen taucht auf, eine Grenze wird spürbar. Vorsichtig formulieren sie innerlich, was sie sagen könnten. Und lassen es dann doch wieder bleiben.
Aus Unsicherheit, aus Minderwertigkeit, aus der Angst heraus, etwas Dummes zu sagen.
In jeder Firma, in jeder Familie gibt es immer wieder diese Momente, in denen Frauen sich innerlich zurücknehmen, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Grund gäbe.
Diese Beobachtungen wirken banal. In ihrer Häufung erzählen sie jedoch etwas über ein tieferliegendes Muster. Über ein Verhältnis zu sich selbst, das weniger mit fehlender Fähigkeit zu tun hat als mit Unsicherheit.
Und über eine Form von Selbstbewusstsein, die nicht selbstverständlich gewachsen ist.
Warum dieses Muster mehr ist als persönliche Unsicherheit
Die gängige Erklärung dafür lautet häufig: Geringes Selbstwertgefühl. Eine individuelle Schwäche, ein persönliches Thema, an dem man arbeiten müsse.
Doch: Diese Sichtweise greift viel zu kurz! Denn sie übersieht, dass sich dieses Muster auffallend häufig bei Frauen zeigt, unabhängig von Bildung, Erfolg oder Startbedingungen.
Die Frage, warum so viele Frauen Schwierigkeiten haben, ihren eigenen Platz selbstverständlicher einzunehmen, führt daher über die individuelle Biografie hinaus.
Sie berührt gesellschaftliche Strukturen, historische Erfahrungen und kollektive Prägungen, die über Generationen hinweg wirksam waren.
Selbstbewusstsein entsteht nicht im luftleeren Raum. Es entwickelt sich dort, wo Menschen früh erfahren, dass ihre Wahrnehmung zählt, dass ihre Grenzen respektiert werden und dass Sichtbarkeit keine Gefahr darstellt.
Und genau diese Bedingungen waren für Frauen über lange Zeiträume hinweg nicht gegeben.
2. Warum geringes Selbstwertgefühl bei Frauen kein individuelles Problem ist
Gesellschaftliche Ordnungen formen Verhalten. Sie legen fest, wer entscheidet, wer gehört wird und wessen Bedürfnisse Priorität haben.
Über Jahrtausende hinweg war diese Ordnung klar strukturiert: Macht, Besitz und Entscheidungsfreiheit lagen überwiegend in männlicher Hand.
Wie gesellschaftliche Ordnungen Verhalten prägen
Für Frauen bedeutete das eine Realität, in der Sicherheit eng mit Anpassung verbunden war. Zugehörigkeit entstand durch Verlässlichkeit, durch das Erfüllen von Erwartungen, durch Zurückhaltung. Wer auffiel, wurde sichtbar, und Sichtbarkeit brachte Risiken mit sich.
In diesem Kontext entwickelte sich Anpassung als kluge Strategie. Frauen lernten, Stimmungen wahrzunehmen, Spannungen früh zu erkennen und Konflikte zu vermeiden. Sie entwickelten soziale Intelligenz, emotionale Feinfühligkeit und ein hohes Mass an Selbstkontrolle. Diese Fähigkeiten sicherten Orientierung und Schutz.
Anpassung als erlernte Strategie für Sicherheit
Über Generationen hinweg wurden diese Muster als gelebte Selbstverständlichkeit von Frau zu Frau weitergegeben. Vorsicht, Rücksicht und das Abwägen eigener Impulse prägten das innere Verhalten.
Und so verlagerte sich mit der Zeit Kontrolle von aussen nach innen. Eine innere Instanz übernahm die Regulierung.
Auch in Lebensrealitäten, die sich mittlerweile formal stark verändert haben, wirkt diese innere Logik immer noch weiter.
Zwar dürfen Frauen heute führen, entscheiden und sichtbar sein. Aber trotzdem taucht häufig dieses kurze Innehalten auf, genau dort, wo Klarheit gefragt wäre.
Dieses Zögern folgt einer Ordnung, die lange Sicherheit geboten hat.
3. Per Gesetz Mensch zweiter Klasse: Warum Selbstbewusstsein für Frauen historisch gefährlich war
Stell Dir vor, Du bist erwachsen und trotzdem sagt das Gesetz: Du bist nicht vollwertig entscheidungsfähig.
Warum?
Weil Du eine Frau bist!
Frauenrechte im Gesetz: eingeschränkte Stimme, eingeschränkte Freiheit
Diese Realität liegt erschreckend nah. In der Schweiz durften Frauen auf Bundesebene erst 1971 wählen und abstimmen. Und selbst das war noch nicht das Ende: Im Kanton Appenzell Innerrhoden durften Frauen ihr Stimmrecht erst ab 1991 ausüben. Gegen den Willen der Männer. Durch ein Gerichtsurteil erzwungen.
In Deutschland durften Frauen zwar ab 1918 wählen. Doch wählen heisst nicht, gleich entscheiden zu dürfen. Bis 1958 konnte eine verheiratete Frau ohne Zustimmung ihres Mannes kein eigenes Arbeitsverhältnis eingehen.
Bis 1977 war im deutschen Eherecht gesetzlich festgeschrieben, dass die Frau den Haushalt zu führen habe.
Erwerbstätigkeit war nur erlaubt, wenn sie mit den Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war.
Und dann der Körper. Bis 1997 galt in Deutschland: Vergewaltigung in der Ehe war kein eigener Straftatbestand. Das Gesetz ging davon aus, dass der Ehemann ein Anrecht auf den Körper seiner Ehefrau habe.
Das ist keine mittelalterliche Randnotiz. Das betrifft viele Frauen und Mütter der Frauen, die diesen Text gerade lesen.
Auch finanziell waren Frauen lange entmündigt. In der Schweiz brauchte eine verheiratete Frau bis 1976 die Zustimmung ihres Mannes, um ein eigenes Bankkonto zu eröffnen.
Bis 1988 durfte sie nicht einmal frei über ihr eigenes Vermögen verfügen. Das Eherecht sprach dem Mann die Verwaltungshoheit zu.
Und Bildung? Auch hier war Selbstbewusstsein für Frauen kein erwünschtes Ziel.
In der Schweiz durften Frauen zwar ab 1867 regulär studieren, ein europäischer Sonderfall.
Doch gesellschaftliche Akzeptanz bedeutete das nicht. Viele dieser Frauen wurden diffamiert, pathologisiert, als „unnatürlich“ dargestellt.
In Deutschland blieb Frauen der reguläre Zugang zu Universitäten bis 1900 weitgehend verwehrt. Erst 1909 hatten Frauen an allen deutschen Universitäten formal Zugang.
Davor mussten viele ins Ausland gehen, um überhaupt studieren zu dürfen, häufig in die Schweiz.
Warum fehlende Rechte das innere Erleben prägen
Das bedeutet: Über Generationen hinweg wurde Frauen vermittelt:
- Deine Stimme zählt weniger
- Deine Entscheidungen brauchen Zustimmung
- Dein Körper gehört nicht nur Dir
- Du darfst nicht über Dein Geld bestimmen
- Wissen ist Männern vorbehalten
Was glaubst Du, macht das mit einem Menschen?
Selbstbewusstsein ist kein abstrakter Begriff. Es entsteht aus Erfahrung.
Aus der Erfahrung, dass…
- Dein Nein Gewicht hat
- Dein Ja freiwillig ist
- Deine Stimme zählt
Und genau diese Erfahrung blieb Frauen sehr lange verwährt!
Wundert es da wirklich, dass so viele Frauen:
- ihre Meinung nicht klar sagen
- sich oft anpassen
- sich zurücknehmen
- sich absichern
- sich schuldig fühlen
- sich schämen
- sich mit Entscheidungen schwer tun?
Das ist historisches Erbe.
Unser Nervensystem hat über eine sehr lange Zeit hinweg gelernt, vorsichtig zu sein. Wie ein innerer Kompass, der nicht auf Selbstverständlichkeit geeicht wurde, sondern auf Anpassung.
Selbstbewusstsein war für Frauen lange kein Ziel. Es war ein Risiko. Und genau deshalb wirkt diese Geschichte bis heute weiter.
4. Gewalt, Scham und Kontrolle: Weibliche Sozialisation und ihr Einfluss auf das Selbstbewusstsein bei Frauen
Am Anfang stand also keine freiwillige Anpassung. Am Anfang stand Druck.
Über Jahrhunderte hinweg wurden Frauen von aussen reguliert. Durch Gesetze. Durch soziale Normen. Durch Gewalt. Durch Abhängigkeit. Wer auffiel, riskierte etwas.
Wer widersprach, wurde zum Schweigen gebracht. Wer sich entzog, verlor Schutz.
Diese äussere Kontrolle war real. Sie hatte Konsequenzen. Körperliche. Soziale. Existenzielle.
Wie Selbstregulation zur inneren Schutzstrategie wurde
Frauen lernten daraus über Erfahrungen, Beobachtungen und über ihr feines Gespür dafür, was gefährlich werden konnte und was Sicherheit brachte.
Wenn äussere Kontrolle allgegenwärtig ist, entsteht irgendwann etwas Zweites: Innere Kontrolle.
Frauen begannen, ihr Verhalten selbst zu regulieren. Selbstregulation reduzierte Sichtbarkeit, Konflikt und Sanktionierung.
- Sie lernten, sich zurückzunehmen, bevor jemand anderes sie zurückwies.
- Sie lernten, Gefühle zu zügeln, bevor sie sanktioniert wurden.
- Sie lernten, Bedürfnisse abzuwägen, bevor sie als Zumutung galten.
So verlagerte sich die Kontrolle langsam von aussen nach innen.
Scham als wirksames Instrument sozialer Kontrolle
Scham spielte dabei eine zentrale Rolle. Scham ist kein lautes Gefühl. Sie schreit nicht. Sie wirkt leise. Und sehr präzise.
Die sozialwissenschaftliche Forschung beschreibt Scham als eines der wirksamsten Instrumente sozialer Kontrolle, besonders in hierarchischen und geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen.
Scham meldet sich früh. Noch bevor etwas ausgesprochen wird. Noch bevor ein Konflikt entsteht. Sie sorgt dafür, dass Anpassung automatisch wird.
Für Frauen wurde Scham zu einem inneren Frühwarnsystem. Sie half, Gefahren zu vermeiden, Beziehungen zu sichern, Zugehörigkeit zu erhalten. In diesem Sinne erfüllte sie eine Schutzfunktion.
Ein Mädchen, das erlebt, dass Klarheit zu Ablehnung führt, lernt schnell:
- Ein Nein wird weicher formuliert
- Eine Wut wird geschluckt
- Bedürfnisse werden verdrängt
- Die eigene Meinung wird zurückgehalten.
So entsteht eine hohe Fähigkeit zur Selbstbeobachtung. Frauen entwickeln ein feines Gespür dafür, wie sie wirken, wie andere reagieren, wo Grenzen verlaufen.
Anpassung als Schutzstrategie
Diese Kompetenz wird häufig positiv bewertet, ist jedoch mit permanenter innerer Anspannung verbunden.
Viele Frauen beschreiben später genau dieses Gefühl:
- Sie funktionieren.
- Sie sind angepasst.
- Sie sind immer für Andere da.
- Sie sind harmoniebedürftig.
Und gleichzeitig fühlen sie sich innerlich gedämpft. Gebremst. Nicht ganz da.
Die Traumaforschung beschreibt diesen Zustand als «Folge chronischer Selbstregulation unter sozialen Bedrohungsbedingungen».
Selbstbewusstsein wirkt unter diesen Bedingungen wie ein Risiko. Denn es würde bedeuten, die innere Kontrolle zu lockern…
Das Nervensystem erinnert sich jedoch an frühere Erfahrungen. Es speichert, dass Unangepasstheit einmal gefährlich war.
Zurückhaltung ist deshalb kein Zufall. Sie ist ein Erbe. Ein Erbe aus einer Zeit, in der äussere Kontrolle allgegenwärtig war und innere Kontrolle Schutz bot. Was einmal notwendig war, wirkt weiter, auch wenn die äusseren Bedingungen sich verändert haben.
5. Frauen in Kriegen: Kollektive Traumatisierung über Generationen
Kriege hinterlassen Spuren, auch dort, wo kaum darüber gesprochen wurde. Für Frauen bedeuteten Kriegszeiten eine besondere Form von Belastung.
Während Männer kämpften oder abwesend waren, trugen Frauen Verantwortung für die Versorgung von Kindern, Alten und Kranken. Sie mussten im Alltag unter existenz-bedrohenden Bedingungen zurechtkommen.
Gleichzeitig waren sie in Kriegs- und Nachkriegssituationen in besonderem Mass Gewalt ausgesetzt, vor allem sexualisierter Gewalt.
Schweigen, Funktionieren und emotionale Disziplin
Viele dieser Erfahrungen blieben unausgesprochen. Schweigen war Schutz. Es ermöglichte Weiterleben, Funktionieren, Überleben.
Doch unverarbeitete Erfahrungen verschwinden nicht. Traumaforschung zeigt, dass extreme Belastungen das Stress- und Bindungssystem dauerhaft beeinflussen können.
Frauen, die Krieg erleben, entwickeln häufig eine hohe innere Disziplin. Gefühle werden kontrolliert, Bedürfnisse zurückgestellt, Angst reguliert.
Diese Haltung wurde zur Voraussetzung, um handlungsfähig zu bleiben. Kinder wuchsen in diesen Atmosphären auf. Sie lernten weniger durch Worte als durch Präsenz, Spannung und emotionale Grundstimmung.
So wurde Trauma nicht erzählt, sondern gelebt. Es setzte sich fort als innere Wachsamkeit, als Überverantwortung, als tiefe Loyalität gegenüber dem System Familie. Auch dort, wo äusserlich längst Frieden herrschte.
6. Transgenerationale Traumata bei Frauen: Das Erbe, das wir unbewusst tragen
Manchmal reagiert man auf Situationen, die objektiv harmlos sind, mit einer Intensität, die man sich selbst nicht erklären kann.
- Eine innere Anspannung.
- Ein automatisches Zurückweichen.
- Ein Bedürfnis nach Anpassung, obwohl es keinen offensichtlichen Grund dafür gibt.
Viele Frauen kennen das. Und viele suchen die Ursache ausschliesslich in ihrem eigenen Leben.
Wie traumatische Erfahrungen über Generationen weiterwirken
Die Forschung zeigt inzwischen etwas anderes: Heute gilt als wissenschaftlich belegt, dass schwere Belastungen, Traumata und chronischer Stress über Generationen hinweg weitergegeben werden können. Nicht nur über Erziehung, Sprache oder Verhalten, sondern auch über biologische Mechanismen, die das Stress- und Nervensystem betreffen.
Dieser Bereich wird als transgenerationale Weitergabe von Trauma bezeichnet.
Untersucht wurden unter anderem Nachkommen von Kriegstraumatisierten, Holocaust-Überlebenden, Menschen mit massiver Gewalterfahrung oder extremer existenzieller Bedrohung. Die Ergebnisse zeigen übereinstimmend:
Nachfolgende Generationen weisen Veränderungen im Stresssystem auf, obwohl sie die ursprünglichen Ereignisse selbst nicht erlebt haben!
Was Epigenetik über die Weitergabe von Stress belegt
Hier kommt die Epigenetik ins Spiel. Epigenetik beschreibt Prozesse, durch die Erfahrungen beeinflussen, wie Gene im Körper gelesen und genutzt werden. Die genetische Information selbst bleibt gleich, doch ihre Aktivität verändert sich.
Besonders betroffen sind Gene, die an der Regulation von Stress, Angst und emotionaler Verarbeitung beteiligt sind.
Konkret bedeutet das: Erlebt ein Mensch über längere Zeit extreme Angst, Ohnmacht oder Bedrohung, passt sich der Körper an. Das Stresssystem wird sensibler eingestellt. Diese Anpassung kann, unter bestimmten Bedingungen, an die nächste Generation weitergegeben werden.
Mehrere Studien zeigen, dass Nachkommen traumatisierter Menschen vergleichbare Veränderungen in der Stressregulation aufweisen wie ihre Eltern oder Grosseltern. Sie reagieren schneller, intensiver oder anhaltender auf Belastung.
Für Frauen ist dieser Zusammenhang besonders relevant. Viele unserer Mütter, Grossmütter und Urgrossmütter lebten in Zeiten von Krieg, Flucht, Hunger, sexualisierter Gewalt, rechtlicher Abhängigkeit und existenzieller Unsicherheit. Selbstkontrolle, Anpassung und emotionale Zurückhaltung waren keine Charakterzüge, sondern Überlebensstrategien.
Diese Strategien haben Spuren hinterlassen. Transgenerationale Traumata erklären deshalb, warum viele Frauen heute:
- eine hohe innere Wachsamkeit haben
- schnell Verantwortung übernehmen
- Konflikte vermeiden
- sich selbst regulieren, bevor jemand anderes es tut
Das ist ein kollektives Erbe, das sich individuell zeig!
Warum Prägung keine Festlegung bedeutet
Die Forschung zeigt ebenso klar, dass neue Erfahrungen ebenfalls Spuren hinterlassen. Sicherheit, stabile Beziehungen, emotionale Verarbeitung, bewusste innere Arbeit und Regulation des Nervensystems können alte Stressmuster abschwächen oder neu ausrichten.
Das bedeutet: Wir sind den Prägungen unserer Vorfahrinnen nicht ausgeliefert.
Aber wir tragen Verantwortung dafür, wie wir mit ihnen umgehen.
Selbstbewusstsein wächst dort, wo alte Überlebensmuster erkannt, gewürdigt und langsam gelöst werden.
7. Wie sich dieses Erbe heute im Alltag moderner Frauen zeigt
Im heutigen Alltag zeigt sich dieses Erbe selten dramatisch. Es zeigt sich eher leise und zurückhaltend. Tief im Inneren, spürbar als Selbstzweifel. Als mangelndes Selbstvertrauen. Und als ein geringes Selbstwertgefühl bei Frauen.
In der Art, wie Frauen sprechen, sich positionieren, Verantwortung übernehmen und sich selbst begrenzen. So wie Fabienne im Meeting.
Zurückhaltung, Überverantwortung und Anpassung im Alltag
Viele Frauen berichten, dass es ihnen schwerfällt, Grenzen zu setzen. Sie trauen sich nicht, ihre Meinung klar zu formulieren oder ihre Bedürfnisse zu äussern. Ein NEIN kommt schwer über die Lippen und Entscheidungen treffen fällt schwer. Ausserdem ist das Wohlergehen «der Anderen» wichtiger, als das eigene.
Und so gehen viele Frauen permanent über ihre Grenzen, passen sich an, halten sich zurück. Für viele fühlt es sich so an, als würden sie nur noch funktionieren, als hätten sie sich selbst verlassen.
Die Sehnsucht nach Freiheit, Klarheit und Selbstverbundenheit
Doch viele Frauen spüren auch: Das kann’s doch noch nicht gewesen sein! Sie sehnen sich nach Freiheit, nach Leichtigkeit und danach SICH SELBST zu leben.
Und das ist gut so. Denn wir sind die erste Generation, die überhaupt die Möglichkeit hat, diese Kette der Weitergabe von Traumatisierungen und Prägungen zu durchbrechen.
Waren unsere Vorgänger-Generationen oft damit beschäftigt, überhaupt zu überleben, genug zu essen zu haben und den Alltag zu bewältigen, so haben wir jetzt die Zeit und Sicherheit, uns endlich diesen alten Themen zu widmen, um sie endgültig aufzulösen. Und zwar nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Töchter und Enkelinnen.
8. Alte Prägungen lösen: Wirksame Methoden für mehr Selbstbewusstsein bei Frauen
Sich der Ursachen bewusst zu werden ist der erste Schritt der Veränderung. Es schafft Mitgefühl und nimmt Druck.
Doch echte Veränderung beginnt dort, wo neue Erfahrungen möglich werden. Deshalb braucht Veränderung Wege, die tiefer gehen, als das blosse Verstehen.
Methoden, die nicht nur im Kopf bleiben, sondern unser ganzes Sein auf allen Ebenen mitnehmen.
Aus meiner langjährigen Erfahrung sind die folgenden Methoden besonders hilfreich dabei, sich aus dieser kollektiven Erblast zu befreien und sich ein stabiles Selbstbewusstsein und einen guten Selbstwert aufzubauen.
EMDR: Wenn das Nervensystem neu lernen darf
EMDR arbeitet direkt mit dem Stress- und Erinnerungssystem, und zwar über gezielte bilaterale Stimulation.
Viele Frauen erleben hier etwas Entscheidendes:
Alte innere Alarmreaktionen verlieren ihre Wucht.
Der Körper merkt: «Das ist vorbei.»
Gerade bei diffusen Ängsten, Überanpassung oder innerer Wachsamkeit kann EMDR helfen, gespeicherte Stressreaktionen zu lösen. Auch dann, wenn keine klare Erinnerung vorhanden ist.
Hypnose: Zugang zu dem, was lange verschlossen war
Hypnose arbeitet dort, wo Worte oft nicht hinkommen.
Im Unterbewusstsein. Im Erleben. Im Gefühl.
Viele Frauen tragen Emotionen in sich, die über Generationen keinen Raum hatten: Angst, Wut, Ohnmacht, Scham, Schuld.
In einem hypnotischen Zustand kann das System diese Gefühle endlich sicher erleben, regulieren und integrieren.
Hypnose ermöglicht oft genau das, was im Alltag schwerfällt: Loslassen ohne die Kontrolle zu verlieren.
Yager-Code: Wenn innere Konflikte ohne Retraumatisierung gelöst werden sollen
Der Yager-Code arbeitet ohne erneutes Durchleben belastender Inhalte. Er nutzt die Fähigkeit des Geistes, Lösungen auf einer höheren Ebene zu finden.
Gerade für Frauen, die viel analysiert haben und trotzdem feststecken, kann dieser Ansatz hilfreich sein. Er arbeitet mit dem Überbewusstsein, das jenseits bewusster Kontrolle wirkt.
Transformationsarbeit: Gefühle und Gedanken verwandeln
Transformationscoaching verbindet Erkenntnis mit emotionaler Verarbeitung.
Dabei geht es nie darum, etwas „wegzumachen“, sondern immer darum, es anzunehmen und zu würdigen. Denn alle unsere Muster waren einmal Schutz. Und unsere Gefühle sind nicht gegen uns, sondern haben immer eine Botschaft für uns.
In der Transformationsarbeit arbeiten wir auf allen Ebenen des menschlichen Seins und verwandeln nicht mehr dienliche Glaubenssätze, Muster, Gedanken und Gefühle in Freiheit, Leichtigkeit und Freude.
Körperorientierte Ansätze: Weil der Körper ein Gedächtnis hat
Hier geht es darum, den Körper als unseren Freund wahrzunehmen und ihn sanft in unsere Arbeit mit einzubeziehen.
So helfen Atemarbeit, sanfte Körperarbeit und somatische Übungen, Spannungen zu lösen, die lange gehalten wurden.
9. Selbstbewusstsein stärken: Ein praktischer 6-Schritte-Weg in die innere Freiheit
Neben Methoden braucht es etwas anderes: innere Haltung.
Einen klaren, gangbaren Weg.
Dieser 6-Schritte-Prozess fasst zusammen, was Veränderung auf tiefer Ebene möglich macht:
Schritt 1: Annehmen, was ist
Der erste Schritt ist ein Anerkennen dessen, was IST. Wie es Dir gerade geht. Wie die Sitution jetzt ist. Ganz ohne Bewertung.
Dein Satz. «Es ist, wie es ist.»
Annahme entspannt das System. Erst dann wird Veränderung möglich.
Schritt 2: Verantwortung übernehmen
Die Entscheidung, Verantwortung für Dich und Dein Leben zu übernehmen, markiert einen inneren Wendepunkt. Er holt dich heraus aus dem Opfer-Status. Nur so wirst Du zur Gestalterin Deines Leben.
Dein Satz: «Ich übernehme Verantwortung für mich und mein Leben.»
Schritt 3: Gefühle zulassen und durchfühlen
Viele Gefühle wurden über Generationen unterdrückt. Nun darf all das lange Verdrängte Raum bekommen. Wenn du beginnst, deine Gefühle wie Scham, Schuld, Angst oder Ohnmacht ganz bewusst zu durchfühlen, können sie sich lösen.
Dein Satz: «Alles darf da sein. Gefühle sind zum Fühlen da.»
Schritt 4: Vergebung als Akt der inneren Befreiung
Vergebung bedeutet nicht, etwas gutzuheissen. Sie bedeutet, sich innerlich zu lösen von dem, gegen das wir noch kämpfen, was uns noch belastet.
Dein Satz: «Ich vergebe mir selbst und allen anderen, was ich mir und ihnen noch vorwerfe.»
Vergebung befreit und und nimmt die Last von Dir.
Schritt 5: Eine neue Entscheidung treffen
Um etwas zu ändern, musst du eine neue Entscheidung treffen. Und zwar eine Entscheidung, die zukunftsorientiert und positiv formuliert ist. Sie ist dein Leuchtturm, an dem du dich immer wieder orientieren kannst.
Dein Satz: «Ich entscheide mich. Denn wenn ich mich nicht entscheide, entscheiden andere oder das Leben über mich.»
Schritt 6: Energie neu ausrichten
Jeder Mensch hat 4 Schöpfer-Energien, mit denen er (bewusst oder unbewusst) sein Leben gestaltet: Gedanken, Worte, Gefühle, Handlungen.
Lerne, diese Energien bewusst und zielgerichtet einzusetzen, und du wirst dir ein Leben erschaffen, in dem du dich wohlfühlst.
Dein Satz: «Ich werde mir bewusst, wie ich mit meinen Energien umgehe und richte sie immer wieder an meiner Entscheidung aus.»
Eine tiefergehende Beschreibung dieser 6 Schritte mit praktischen Umsetzungsbeispielen findest Du in meinem Blogarikel: 🔗»6 Schritte Plan für ein starkes Selbstbewusstsein»
10. Ein erster konkreter Schritt, um Dein Selbstbewusstsein als Frau zu stärken
Am Anfang dieses Artikels stand Fabienne. Eine Frau, die fachlich kompetent war, reflektiert, verantwortungsvoll. Und die sich trotzdem immer wieder dabei ertappte, ihre Meinung abzuschwächen, Sätze vorsichtig zu formulieren oder zu schweigen, obwohl sie innerlich längst wusste, was sie sagen wollte.
Mittlerweile steht sie selbstbewusst im Job „ihre Frau“. Sie traut sich nun, ihre Ideen vorzutragen, ohne sie vorher im Kopf zu Tode zu optimieren. Sie beteiligt sich lebhaft in Meetings und steht zu ihrer Meinung. Und es fällt ihr viel leichter, Entscheidungen zu treffen, da sie gelernt hat, sich zu vertrauen.
Einladung, den eigenen Weg bewusst zu gehen
Der Startpunkt für diesen neuen Weg war mein kostenloser 🔗online Workshop „Authentisch. Weiblich. Selbstbewusst.“ Hier sind ihr ihre alten Themen zum ersten Mal richtig bewusst geworden. Sie hat gefühlt, wo ihre Blockaden sitzen und woher sie kommen. Und sie hat mit meinem 6 Schritte einen ganz klaren Fahrplan an die Hand gekommen, um den Weg in die Freiheit, in ein Leben voller Leichtigkeit und Freude zu gehen.
Wenig Selbstbewusstsein ist kein Charakterzug, keine Verdammung, kein Mangel. Du bist die Chefin in deinem inneren Haus. Übernimm JETZT die Verantwortung für Dich und Dein Leben und geh den ersten Schritt in Deine innere Freiheit. Du kannst das. Punkt.
Wenn Du Dich in diesem Artikel wiedergefunden hast und spürst, dass es Zeit ist, Deine eigenen Muster zu verstehen und zu verändern, lade ich Dich herzlich zu meinem Workshop „Authentisch. Weiblich. Selbstbewusst.“ ein.
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Weiterführende Links
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Quellenangaben
Kapitel 2:
Lerner, G. (1991). Die Entstehung des Patriarchats. Campus Verlag
Bourdieu, P. (2012). Die männliche Herrschaft. Suhrkamp.
Kapitel 3:
Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG). Meilensteine der Gleichstellung in der Schweiz.
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (2020).
Frauenrechte in Deutschland – historische Entwicklung.
Kapitel 4:
Neckel, S. (21991). Status und Scham. Campus Verlag.
Hüther, G. (2018). Etwas mehr Hirn, bitte. Vandenhoeck & Ruprecht.
Kapitel 5:
Bode, S. (2015). Nachkriegskinder. Klett-Cotta.
Ustdorf, Anne-Ev (2016). Wir Kinder der Kriegskinder. Herder
Kapitel 6:
Bode, S. (2016). Die vergessene Generation. Klett-Cotta.
Yehuda, R., & Lehrner, A. (2018). Intergenerational transmission of trauma effects. World Psychiatry.
